Sprache ohne Entscheidung.
◆ Fakten statt Floskeln
Gedanken vom 05.08.2026
“Willkommen an Board” ist weder Deutsch noch Englisch.
Es ist eine Entscheidung, die nicht getroffen wurde.
Du liest es in der Willkommens-Mail, im LinkedIn-Post, in der Onboarding-Präsentation: “Willkommen an Board!” Es gibt “an Bord” (deutsch) und “on board” (englisch). “An Board” ist keins von beidem – deutsche Präposition, englische Schreibweise, zu Ende gedacht ist keine der beiden Sprachen.
Wenn Unschärfe Gewohnheit ist.
“Das macht Sinn” statt “Das ergibt Sinn”.
“Gedownloadet” statt “downgeloadet”.
“Das ist noch work in progress” statt “in Arbeit”.
Meist passiert das aus Nachlässigkeit – man übernimmt, ohne nachzudenken. Das lässt sich beheben: durch Aufmerksamkeit für die eigene Sprache.
Wenn Unschärfe Strategie ist.
Schwieriger wird es, wenn die Unschärfe gewollt ist. “Solutions” statt “Lösungen”, “Learnings” statt “Erkenntnisse”, “an Board sein” statt “dabei sein” – im Marketing- und Business-Sprech signalisiert Anglizismus Modernität, Internationalität, Tempo.
Die Ungenauigkeit ist dann kein Unfall. Sie ist der Zweck.
Was bewusste Sprachwahl bedeutet.
Nicht jedes deutsche Wort ist automatisch die klarere Wahl, und nicht jeder Anglizismus automatisch die schwächere. Die Frage ist nicht Deutsch oder Englisch, sondern: Weißt Du, warum Du Dich für ein Wort entscheidest?
“Meeting” statt “Besprechung” kann eine bewusste, treffende Wahl sein. “An Board” ist keine Wahl. Es zeigt nur, dass sich niemand für Deutsch oder Englisch entschieden hat.
Sprache mischen ist keine Frage von richtig oder falsch. Es ist eine Frage von bewusst oder gewohnheitsmäßig. Wer weiß, warum er ein Wort wählt, kann auch erklären, was er meint. Der Rest ist Zufall.