„Die Doku fehlt noch." Der Satz steht seit drei Wochen im Ticket. Geschrieben wäre sie an einem Vormittag.
Warum liegt sie trotzdem? Drei Kräfte arbeiten vor dem ersten Satz. Keine davon ist Zeitmangel.
Die erste: Es gibt noch nichts zu beschreiben. Die Funktion läuft, die Entscheidungen darüber stehen aus — ob das Feld verpflichtend bleibt, ob der alte Weg weiter funktioniert, wie die Sache am Ende heißt. Wer das aufschreibt, bevor es entschieden ist, schreibt es zweimal. Also wird gewartet, und Warten sieht von außen aus wie Untätigkeit.
Die zweite: Das Wissen liegt verteilt. Die Entwicklung kennt das Verhalten, der Support die Fälle, das Produktmanagement den Grund. Jede Auskunft für sich stimmt, zusammen ergeben sie kein Bild. Die Arbeit besteht darin, die Widersprüche zu finden und aufzulösen — und dafür braucht es genau die Leute, deren Kalender voll ist.
Die dritte: Was schon dasteht, stimmt nicht mehr. Im Ticket steht der Stand aus der Planung, im Konzept der von davor, im Wiki einer aus dem letzten Jahr. Bevor irgendetwas Neues entsteht, muss jemand prüfen, was davon noch gilt. Von außen sieht das aus wie Lesen. Es ist die eigentliche Recherche.
Unentschieden, verteilt, veraltet. Drei Gründe, warum eine Doku liegen bleibt — und in keinem davon kommt das Schreiben vor.
Schreiben ist der einzige Teil dieser Arbeit, der sich planen lässt. Deshalb steht er im Plan. Und alles, was länger dauert, steht nirgends.